Bioladen
Immer wieder wird nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa von verschiedenen Lebensmittelskandalen erschüttert. Viele Verbraucher haben mittlerweile genug davon, kehren den konventionellen Supermärkten den Rücken und kaufen im Bioladen ein. Die Situation ist anhand der Zahl dieser alternativen Läden gut erkennbar. Während ein Bioladen früher eine Ausnahmeerscheinung war, die man – wenn überhaupt – nur in großen Städten fand, ist diese Art der Läden heute fast an jeder Ecke zu sehen.
Wurde ein Bioladen, und erst recht die Leute, die darin einkauften noch vor ein paar Jahren noch milde belächelt und bestenfalls für etwas verschroben gehalten, hat sich die Situation heute grundlegend geändert. Viele Menschen, die noch vor nicht allzu langer Zeit lieber im Feinkostladen einkauften, als im Bioladen, haben inzwischen genug von der Gewinnmaximierung der Nahrungsmittelindustrie, die auf Kosten der Gesundheit der Menschen stattfindet. Von der Politik und von der Gesetzgebung fühlen sie sich gleichsam alleine gelassen. So finden auch diese Kunden zunehmend den Weg in den Bioladen.
Aber auch die Bioläden haben sich dieser Zeit angepasst und grundlegend geändert. War das Bild des verschrobenen Ökofreaks, der im Bioladen hinter der Theke steht früher gar nicht mal so sehr verkehrt, geben viele dieser Läden heute nach Außen ein sehr seriöses Bild ab. Neben den kleinen Bioladen, die von einzelnen Händlern betrieben werden, haben sich im Geschäftsbereich Bioladen inzwischen auch richtige Ketten gebildet. Diese können, wie bei den herkömmlichen Supermärkten auch, durch eine größere Einkaufsmenge die Preise niedriger halten und machen so dem kleinen Bioladen an der Ecke das Leben schwer. Irgendwie erinnert diese Entwicklung an das Aussterben der Tante Emma Läden vor wenigen Jahrzehnten. Auf Dauer gesehen kann es gerade durch den wachsenden Bioladen Bedarf zu der kuriosen Situation kommen, dass die kleinen Läden schließen und nur große Handelsketten überleben. Ob dies eine sehr wünschenswerte Entwicklung ist, sei dahingestellt. Je größer die Kette ist, welcher der einzelne Bioladen angehört, desto größer ist auch die Gefahr, dass im Sinne der Gewinnmaximierung der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Denn klar ist, dass die Kontrollmöglichkeiten über die Herkunft der Waren mit der wachsenden Größe der Kette immer schwieriger werden.
